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Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die Weiße Rose

 

"Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt..." 

Die Geschwister-Scholl-Schule auf den Spuren ihrer Namensgeber

 

Auch wenn die diesem Artikel zugrunde liegende Ausstellung an unserer Schule bereits eine lange Zeit zurückliegt, geben die hier aufgeführten Informationen einen wichtigen Überblick über das Handeln der Namenspatrone unseres Oberstufengymnasiums sowie zu den uns daraus erwachsenden Verpflichtungen für unser Handeln in Gegenwart und Zukunft.

 

Die Ausstellung ,,Die Weiße Rose" war bereits im Jahr 1998 Mittelpunkt eines Projektes in der Geschwister-Scholl-Schule Melsungen. Die etwa 70 Bild- und Texttafeln wurden von der Stiftung ,,Weiße Rose" in München zusammengestellt. Sie geben einen Überblick über die Geschichte der Weißen Rose und ihre Mitglieder, aber auch über andere Widerstandsgruppen gegen das Hitlerregime. In der Stiftung sind Überlebende der Weißen Rose, Familienangehörige und Freunde organisiert. Ihr Ziel ist es, das Andenken an diese Widerstandsgruppe in der Öffentlichkeit wach zu halten. Standorte der Ausstellung vor Melsungen waren u.a. Buchenwald, Köln, Prag und Riga. Ermöglicht wurde die Übernahme der Ausstellung nach Melsungen durch großzügige Spenden der Kreissparkasse Schwalm-Eder, der Volks- und Raiffeisenbank Melsungen, der GEW Melsungen sowie der SV, des Elternbeirats und des Fördervereins der GSS.

,,Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt" ... - von diesem Zitat aus dem ersten Flugblatt der Weißen Rose ging Professor Peter Steinbach bei seinem Eröffnungsvortrag aus. Professor Steinbach ist Wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock in Berlin und Professor für Geschichte der Politik, zum Zeitpunkt des Vortrags an der Freien Universität Berlin, inzwischen an der Universität Karlsruhe. In seinem sehr lebendigen und persönlichen Vortrag stellteProfessor Steinbach die Geschichte der Weißen Rose dar. Diese Widerstandsgruppe hatte von Mitte 1942 bis zur Verhaftung und Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst im Februar 1943 in sechs Flugblättern zum Sturz des Hitlerregimes aufgerufen. Weitere Mitglieder wurden später verhaftet und verurteilt, nur wenige überlebten.

Einsichten und Handlungskonsequenzen

Steinbach vermochte es, die Mitglieder der Gruppe aus der eindimensionalen historischen Darstellung zu befreien. Plötzlich waren sie nicht mehr Menschen, die heldenhaft nur das Ziel der Absetzung Hitlers verfolgten. Sie wurden in ihren Wünschen und Träumen, aber auch in ihren Widersprüchen und Ängsten wieder lebendig. Indem Steinbach sie so von ihrem Podest hob, ohne sie herabzuwürdigen, nahm er auch ihrem Handeln seine abgehobene Einzigartigkeit. Nun war es ihm möglich, nach einem Vermächtnis der Weißen Rose für die heutige Zeit und für uns zu suchen und dieses Vermächtnis heißt seiner Ansicht nach: ,,Hinschauen, sich einmischen und gegen erkanntes Unrecht vorgehen". Wie wichtig dies auch heute wieder ist, zeigte Professor Steinbach am Beispiel Bosniens, das vor den Augen der Weltöffentlichkeit und ohne deren Widerstand verwüstet und ,,ethnisch gesäubert" wurde.

Vorträge und Lieder

Zwei weitere Vorträge bereicherten die Veranstaltungswoche. So berichtete Peter Gingold, Frankfurt, über seine und die Arbeit seiner Frau Etti im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1933 waren die Gingolds, beide aktiv in der KPD, zur Emigration gezwungen worden. Sie gingen nach Frankreich und begannen dort, Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu organisieren. Nach dem deutschen Einfall in Frankreich versuchten sie, deutsche Soldaten zum Niederlegen ihrer Waffen und zum Widerstand gegen Hitler aufzurufen. Peter Gingold wirkte später in der französischen Resistance mit. Er ist heute u. a. Sprecher der VVN und des Auschwitzkomitees.

Peter Gingold legte den Schwerpunkt auf die alltägliche Arbeit im Widerstand, die Probleme, in einem fremden Land als Emigrant zu überleben und noch politisch aktiv zu sein. Gerade die sehr persönliche Art der Darstellung, die Orientierung an Alltagssituationen und die Beschreibung der Schikanen, die das Leben so erschwerten, fesselten seine Zuhörer.

Den direkten Bezug zur Gegenwart stellten an diesem Abend Renate und Roland Häusler her. Sie umrahmten und strukturierten Peter Gingolds Ausführungen mit ihren Liedern aus dem Widerstand gegen Obrigkeit in verschiedenen Jahrhunderten. Die Häuslers unterstützen zur Zeit mit ihren Aktivitäten die Aktion ,,Musiegt" in Bosnien. Studierende der Musikhochschule Hannover versuchen dort, eine Musikschule aufzubauen.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte schließlich Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau. In seinem Vortrag zeigte er die Funktionen des Lagers Breitenau für die Region während des Hitlerreiches und in der Nachkriegszeit auf. Heute bietet die Gedenkstätte Breitenau umfangreiche Informations- und Arbeitsmöglichkeiten für die Zeit des Nationalsozialismus. Gerade die Sammlung von personenbezogenen Akten ist dabei sehr beeindruckend. Richter machte die Rolle der Gedenkstätte zwischen Erinnerung an den Nationalsozialismus und Zukunftsorientierung deutlich. Gerade angesichts rechtsextremer Gefahren sieht er hier die Möglichkeit der Warnung vor dem Drohenden durch Einblick in Vergangenes.

 

Theater, Film, Plakatkunst

Zum weiteren Programm der Ausstellungswoche zählten Theateraufführungen, Spielfilme und eine Kunstausstellung.

Schülerinnen und Schüler der Theater-AG der GSS unter der Leitung von Hilka Wagner führten Auszüge aus Bert Brechts ,,Furcht und Elend des Dritten Reiches" auf. In verschiedenen Spielszenen zeigt Brecht die Leiden der politisch Verfolgten, aber auch die Korrumpierung der Kleinbürger durch das Hitlerregime.

Der Spielfilm "Die Weiße Rose" von Michael Verhoeven führte in sehr eindrucksvoller Form das Schicksal der Angehörigen der Weißen Rose vor Augen, vor allem von Hans und Sophie Scholl.

Der Film ,,Das schreckliche Mädchen" zeigte die Schwierigkeiten bei der Suche nach der Wahrheit über den Nationalismus. Der Film basiert auf einem realen Vorfall in den 70er Jahren. Eine Schülerin in Passau hatte sich an einem Wettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt und untersuchte die Geschichte ihrer Heimatstadt unter dem Nationalsozialismus. Sie fand dabei die Verquickung vieler Honoratioren der Stadt mit den Nationalsozialisten

heraus, die von den Betroffenen sorgfältig vertuscht worden war. Bei ihrer Arbeit stieß sie aber allmählich auf so starke Anfeindungen, dass sie die Stadt verlassen musste.

Schließlich stellte ein Kunst-Grundkurs der GSS unter der Leitung von Frau Engel Plakate zum Thema ,,Weiße Rose" aus. Die Darstellungsweisen reichten von symbolhaft bis realistisch und zeigten in teilweise sehr beeindruckender Form die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten, die die Kunst für ein solches Thema bietet.

Die Schule bewertete die Veranstaltungswoche als gelungen und hat daher Mut für neue Unternehmungen dieser Art gefasst. Vorher aber gilt es, weiter nachzudenken darüber, was es heißt, nicht nur das Andenken an die Geschwister Scholl wach zu halten, sondern auch ihr Denken umzusetzen in unsere Zeit. Ganz sicher bedeutet es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Partei zu ergreifen und aktiv zu werden gegen Unterdrückung und Unrecht und halt nicht zu warten, bis der andere anfängt.

April 1998

 

Die Entstehung der Weißen Rose

Die Weiße Rose entstand aus individueller Freundschaft, aus der Freundeskreise wurden. Christoph Probst und Alexander Schmorell waren Freunde seit ihrer Schulzeit. Sie lernten Willi Graf und Hans Scholl während ihres Medizinstudiums 1941 und 1942 an der Münchner Universität kennen. Dort studierte ab Mai 1942 auch Sophie Scholl. Sie hörten mit anderen kritischen Studenten die Vorlesungen von Professor Kurt Huber. Aber nur die Freunde und Kurt Huber verfassten und verbreiteten Flugblätter gegen Hitler.

Schon früh, vor ihren gemeinsamen Treffen und Aktionen, versuchten sie eigene Wege zu gehen. Was die Eltern vorlebten oder sagten, genügte ihnen nicht. Mit der Hitlerjugend (HJ) kamen sie in Konflikt oder verweigerten den Beitritt. Hans Scholl und Willi Graf gehörten verbotenen Jugendgruppen an. Sie kamen deshalb schon 1938 kurzfristig in Gestapo-Haft. Bücher, von denen manche verboten waren, gaben wichtige Orientierung. Man schuf Verbindungen zu noch lebenden Autoren, die nicht mehr oder nur noch verdeckt publizieren konnten.

Als Sanitätssoldaten waren sie auf verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Wichtig wurde der Briefwechsel mit Gleichgesinnten in der Heimat. Sie waren Angehörige von Studentenkompanien, die während des Semesters studieren durften. So konnte der Freundeskreis während des Studienurlaubs zusammenwachsen und den weltanschaulichen Widerspruch in vielfältigen kulturellen Aktivitäten, vor allem bei den Lese- und Gesprächsabenden im Atelier Eickemeyer vertiefen. Es ging nicht nur bedeutungsschwer zu. Überlebende erinnern sich noch weiter an diese intensive Zeit.

 

Die Aktionen der Weißen Rose

Lesen und Diskutieren allein genügten ihnen nicht mehr nach den Erfahrungen an der Front und den Massenmorden in Polen und Russland, von denen Freunde berichteten. Im Juni 1942 handeln Alexander Schmorell und Hans Scholl. Sie verfassen und versenden die vier Flugblätter der Weißen Rose. Ende Juli 1942 müssen sie während der Semesterferien zum Kriegseinsatz an die Ostfront. Die Studenten kehren im Spätherbst von der russischen Front zurück und nehmen ihre Widerstandstätigkeit wieder auf. Ihr fünftes Flugblatt "Aufruf an alle Deutschen!" erscheint.

Ende Januar 1943 brach der Kampf um Stalingrad zusammen. Etwa 230.000 Soldaten waren allein auf deutscher Seite gefallen; über 100.000 Menschen starben auf russischer Seite. Stalingrad wurde der Auftakt zum verstärkten Widerstand in den besetzten europäischen Ländern. Die deutsche Bevölkerung war verunsichert durch diese erste große Niederlage. Für die Teilnehmer der Weißen Rose wurde es der Anstoß zu ihrem letzten Flugblatt. In anderen Städten arbeiten Freunde in kleinen Gruppen, verteilen Flugblätter, halten Kontakt: Hamburg, Saarbrücken, Ulm, Freiburg, Stuttgart, Berlin.

"Nieder mit Hitler", "Freiheit" steht am 3., 8. und 15. Februar an den Mauern der Universität und anderer Gebäude in München. Alexander Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf hatten diese Parolen nachts mit Teerfarbe geschrieben. Die Häftlinge in Dachau hörten diese "Stimmen der Freiheit", wie sie nach dem Krieg berichten, und konnten kaum glauben, dass sie von jungen Deutschen kamen.

 

Politische Opposition in Deutschland 1933-1945

Die Nationalsozialisten und ihre Helfer

-töteten mehr als 130.000 Deutsche

-inhaftierten einige Hunderttausende in Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen

-befahlen mehr als 1.000.000 Menschen zu Verhören durch die Gestapo

1933 zählte man in Deutschland 66.000.000 Einwohner.

 

"In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen – einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mussten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament des neuen Aufbaus".

(Winston Churchill 1946)

 

Flugblätter der Weißen Rose

Flugblatt der Weißen Rose(1)

Aufruf an alle Deutschen! Der Krieg geht seinem sicheren Ende entgegen. Wie im Jahre 1918 versucht die deutsche Regierung alle Aufmerksamkeit auf die wachsende U-Bootgefahr zu lenken, während im Osten die Armee unaufhörlich zurückströmt, im Westen die Invasion erwartet wird.

Die Rüstung Amerikas hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, aber heute schon übertrifft sie alles in der Geschichte seither Dagewesene. Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund.

Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern! Seine und seiner Helfer Schuld hat jedes Maß unendlich überschritten. Die gerechte Strafe rückt näher und näher! Was aber tut das deutsche Volk? Es sieht nicht und es hört nicht. Blindlings folgt es seinen Verführern ins Verderben. "Sieg um jeden Preis", haben sie auf ihre Fahne geschrieben. "Ich kämpfe bis zum letzten Mann", sagt Hitler - indes ist der Krieg bereits verloren.

Deutsche! Wollt ihr und eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? Wollt ihr mit dem gleichen Maße gemessen werden wie Eure Verführer? Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehasste und angestoßene Volk sein? Nein! Darum trennt Euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum! Beweist durch die Tat, dass ihr anders denkt! Ein neuer Befreiungskrieg bricht an.

Der bessere Teil des Volkes kämpft auf unserer Seite. Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!Entscheidet Euch, e h ´ e s  z u  s p ä t  i s t !

Glaubt nicht der nationalsozialistischen Propaganda, die Euch den Bolschewistenschreck in die Glieder gejagt hat! Glaubt nicht, dass Deutschlands Heil mit dem Sieg des Nationalsozialismus auf Gedeih und Verderben verbunden sei! Ein Verbrechertum kann keinen deutschen Sieg erringen. Trennt Euch r e c h t z e i t i g von allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt! Nachher wird ein schreckliches, aber gerechtes Gericht kommen über die, die sich so feig und unentschlossen verborgen hielten.

Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war?

Der imperialistische Machtgedanke muss, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemachtwerden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jede zentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und in Europa auszuüben versucht hat, muss im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschächtete Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muss durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muss in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder Einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!

Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.

Unterstützt die Widerstandsbewegung, verbreitet die Flugblätter!

Hans-Georg Krapf 

 

Weiterführende Informationen

Die Stiftung Weiße Rose pflegt das Andenken an die Mitglieder der Weißen Rose und ihre Ideen.

http://www.weisse-rose-stiftung.de/