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Dienstag, 12. Dezember 2017

Die Geschwister-Scholl-Schule und das Projekt „Kultur.Forscher!“

 

Seit 2009 begleitet die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Berlin) mit Unterstützung der PwC-Stiftung Jugend–Bildung–Kultur (Frankfurt) bundesweit Schulen der Sekundarstufen I und II auf dem Weg, neue Ansätze für forschendes Lernen im Kontext des kulturellen und ästhetischen Lernens zu erproben und im Alltag ihrer Einrichtung fest zu verankern. Damit begeben sich Schüler und Lehrer auf interessante Entdeckungsreisen und erleben im kulturellen Bereich das Abenteuer des forschenden Arbeitens.

Beim Kulturforschen stehen die Fragen der Kinder und Jugendlichen an ihre kulturelle Lebenswelt im Mittelpunkt. Ausgehend von ihren eigenen Interessen setzen die Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach Antworten verschiedene Methoden ein: Sie recherchieren, befragen, sammeln, arrangieren, experimentieren, dokumentieren und präsentieren eigene Ergebnisse.

Dabei bleibt diese Forschung nicht auf den Unterricht und die Schule beschränkt. Kultureinrichtungen im Umfeld sowie der öffentliche Raum werden konsequent miteinbezogen. In enger Zusammenarbeit beispielsweise mit Museen, Theatern oder kommunalen Institutionen entwickeln Lehrkräfte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Projektformate, die einen anderen  Zugang zu Kunst und Kultur eröffnen und dadurch die Lehr- und Lernkultur an den Schulen verändern sollen.

Die Geschwister-Scholl-Schule kam erst 2011 mehr oder weniger per Zufall zur Mitarbeit in diesem Projekt, wobei in der Planungsphase anfangs durchaus ambitionierte Ziele seitens der Schulleitung verfolgt wurden, indem man anstrebte, das Kultur.Forscher!-Konzept möglichst breit über Fächer- und Aufgabenfeldgrenzen hinweg und vor allem im Bereich der musischen Fächer zu verankern.

Aus der intensiven Diskussion über diese Rahmenbedingungen ergab sich schließlich die Einrichtung der folgenden schulischen Teilprojekte:

 

1. Kultur.Forscher!-Projekte zum Thema „Instant Housing – Wohnsysteme für Obdachlose und andere urbane Nomaden“ (Kathrin Balkenhol)

2. Kultur.Forscher!-Projekte zum Thema „Maß – Zahl – Proportion – Perspektive: Kunst und Mathematik in der Zeit des Humanismus“ (Dr. Reinhard Köhler)

3. Kultur.Forscher!-Projekte als Besondere Lernleistung und/oder Präsentationsprüfung im Abitur 2015 (Tobias Schmidt)

4. Kultur.Forscher!-Projekte „Götter und Helden – antike Mythologie, Gebrauch und Rezeption“ (Birgit Eickhoff und Martina Büchling-Henkel)

 

Die Einbindung in den didaktischen und methodischen Rahmen der Gymnasialen Oberstufe gelang erfolgreich und wurde durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern sehr gut unterstützt. Die wichtige Rolle außerschulischer Lernorte kam vor allem dadurch zum Tragen, dass dort sehr authentische und qualitativ wertvolle Erfahrungs- und Arbeitsmöglichkeiten gegeben sind, wie sie der Schule in der Regel nicht zur Verfügung stehen.

Damit erwiesen sich auch vor allem die Projekt-Exkursionen als besondere Höhepunkte der Arbeit, weil hier eine thematische Fokussierung in einem deutlich erweiterten Zeitraster möglich ist, so wie es der übliche Unterricht im Kurssystem der Gymnasialen Oberstufe in der Regel nicht bieten kann.

Als weitere Höhepunkte der Arbeit sind die Projekt-Präsentationen zu nennen, die bis zum Ende des Berichtszeitraums im Rahmen des Tages der offenen Tür zum Abschluss der schulischen Projektwoche (Ende Januar 2014) stattfanden. Hier konnten die jeweiligen Arbeitsergebnisse der Schulöffentlichkeit und der Presse vorgestellt werden.

Neuland betrat das Kultur.Forscher!-Projekt zum Thema „Maß – Zahl – Proportion – Perspektive: Kunst und Mathematik in der Zeit des Humanismus“ nicht zuletzt durch die Erweiterung des fachlichen Fokus; der Mathematikunterricht der Gymnasialen Oberstufe ist nämlich seit der Einführung des Landesabiturs und der „Aufwertung“ des Faches als Pflichtprüfungsfach für jeden Abiturienten dadurch geprägt, dass in der täglichen Unterrichtspraxis kultur- und fachhistorische Aspekte nur marginal zum Tragen kommen. Somit wurde nun die Entscheidung getroffen, die Unterrichtszeit nicht ausschließlich für – wie im Allgemeinen üblich – weitere Kalkülübungen zu nutzen, sondern den Bereich „Geschichte der Mathematik und Verbindung zu Kunst und Kultur“ im angemessenen Umfang zu berücksichtigen.

Im Herbst 2013 fand im Rahmen einer Exkursion über Eisenach ein erster Zugang zum Themenbereich statt: Besuch der Wartburg und Beschäftigung mit der Zeit der Reformation sowie der Stadt Erfurt als Zentrum des deutschen Humanismus. Hier fand eine mehrstündige thematische Stadtführung zur Auseinandersetzung mit der Wissenschaftsgeschichte (u. a. Adam Riese, der längere Zeit hier wohnte und arbeitete) sowie dem Städtebau und der Architektur des 15. und 16. Jahrhunderts statt. Es schloss sich der Besuch der Universitätsbibliothek mit Vorstellung typischer Mathematikbücher des 15. bis 17. Jahrhunderts an.

In den folgenden Monaten standen Materialrecherchen und Präsentationen zum Thema unter Betonung fach- und kulturhistorischer Aspekte für alle Schüler der Lerngruppe mit inhaltlichen Ergänzungen durch den Kurslehrer sowie die jeweiligen Lehrkräfte der Schüler im Fach Kunst an.

Den vorläufigen Abschluss des Projektes bildet im Januar 2014 die Erstellung eines Jahreskalenders mit dem Titel: „Mathematik ist Kunst ist Mathematik“ sowie die Exkursion zur Albrecht-Dürer-Ausstellung ins Städel-Museum Frankfurt.

Hier nahmen die Schüler an einer thematischen Führung unter dem Aspekt: „Geometrie, Proportion und Perspektive – Dürer als Mathematiker“ teil.

Im Rückblick erwies sich das Projekt als eine sehr lohnende Ergänzung und Alternative zum üblichen fachorientierten Durchgang in der Einführungsphase der Gymnasialen Oberstufe. Es hat sich gezeigt, dass die immer wieder beklagte einseitige Orientierung des Faches auf Rechenverfahren im Rahmen des Kultur.Forscher!-Projektes erfolgreich aufgebrochen werden kann – sofern Schüler und Lehrer interessiert und bereit sind, neue Wege zu gehen.

Dr. Reinhard Köhler

Weitere Informationen finden Sie auf der

Homepage des "Kultur.Forscher"-Projekts!