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Sonntag, 10. Dezember 2017

Kleine Chronologie der Schulnamen der Geschwister-Scholl-Schule

Schulen haben immer etwas Charakteristisches, bestimmte Kennzeichen formaler und inhaltlicher Natur. Dazu gehören sicherlich zunächst die Abschlüsse, die erreicht werden können, was Ausdruck findet in der jeweiligen Schulform und –struktur. Charakteristisch sind sicherlich auch das schulische Angebot, welches sich insbesondere durch besondere pädagogische Schwerpunkt auszeichnen kann oder auch Leitlinien oder –bilder sowie ggf. Traditionen, die den Unterricht und das Schulleben prägen.

Solche Prägungen gingen früher nicht selten von einzelnen Personen aus und führten oft zu besonderen Anstaltsgründungen. Die Einrichtung reiner Jungen- und Mädchenschulen war bis in das letzte Jahrhundert hinein völlig üblich und ein zentrales Charakteristikum einer Schule, heute ist Koedukation hingegen weitgehend selbstverständlich. Die Frage der Einrichtung und Unterhaltung findet Ausdruck in der Schulträgerschaft, heute sind dies in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte, Kirchen und Institutionen (z. B. Stiftungen).

Diese Charakteristika fanden und finden immer Niederschlag im Namen, den eine Schule führt, wobei man im 20. Jahrhundert immer mehr dazu überging, die Namen besonderer Personen für den Schulnamen zu verwenden. Es ist auffällig, dass diese Entwicklung in der Nazizeit häufig auftrat, indem Nazigrößen zu Namensgebern von Schulen wurden. Nach dem Krieg wurden diese Schulnamen natürlich umgehend aufgegeben und man wählte bei der Namensgebung solche Personen aus, die in der Bildungs-, Kultur-, Sozial- oder politischen Geschichte unseres Landes oder auch der Region eine herausragende und für das Gemeinwesen vorbildliche Rolle spielten.

Die folgende knappe chronologische Zusammenfassung gibt einen Überblick zu den verschiedenen Namen, die das Melsunger Gymnasium seit 1869 trug.

 

1869 "Vilmars Erziehungs- und Lehranstalt", eine Jungenschule für die Klassen Klasse 5 (Sexta) bis Klasse 10 (Untersekunda) wird durch Pfarrer Wilhelm Vilmar gegründet

1920 Die "Höhere Töchterschule" wird übernommen und integriert. 32 Mädchen werden bis auf Turnen, Singen und Handarbeit gemeinsam mit den Jungen unterrichtet. Gleichwohl findet man noch 1955 den Zusatz „f. J.“ (für Jungen) im Schulnamen.

1925 Übernahme der Schule als Kreisrealschule Melsungen durch den Landkreis als neuen Schulträger. Damit wird erstmals im Staat Preußen eine Kreisrealschule aus eigenen Mitteln eines Landkreises unterhalten.

1930 Erstes Abitur für 8 Abiturienten. Die Schule ist damit Voll-Realgymnasium.

1933 Mit Beginn der Nazidiktatur wird der Geist dieser Zeit auch in das Melsunger Gymnasium hineingetragen, ohne dass dies in einer Änderung des Schulnamens Ausdruck fand.

1945 Der Unterrichtsbetrieb wird erst im letzten Quartal des Jahres unter Einsatz vieler Pensionäre und Hilfslehrer wieder aufgenommen. Dr. Wilhelm Weidemann wird Schulleiter und organisiert, initiiert, steuert und begleitet die Aufbauarbeit, den Schulneubau und die Namensgebung.

1952 Gabelung in einen sprachlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Auch wenn dies in der Namensgebung keinen direkten Niederschlag findet, ist die Schule damit ein „Sprachlich- und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium“.

1955 Der Hessische Minister für Erziehung und Volksbildung bittet die Städte und Landkreise als Schulträger sowie die Direktoren der öffentlichen höheren Schulen um Vorschläge für eine Namensgebung.

1955 Der Schulleiter schlägt dem Regierungspräsidium als Schulnamen „Freiherr-vom-Stein-Schule“ und „Ludwig-Spohr“ vor, teilt aber zeitgleich mit, dass in dieser Frage kein Einvernehmen mit dem Schulträger erzielt werden konnte, weil der Vorsitzende des Kreisausschusses es aus grundsätzlichen Überlegungen ablehne „sich an einer Handlung zu beteiligen, die einzig und allein Angelegenheit des Schulträgers und keiner anderen öffentlichen bzw. staatlichen Instanz sei“.

1956 Im Zusammenhang mit dem Neubau des Schulgebäudes auf dem Galgenberg (heutige Gesamtschule), beschließt der der Kreisausschuss, die Schule „Heiligenberg-Gymnasium“ zu nennen. Dies führt zu Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern, die vorschlagen, die Schule „Eichendorff-Gymnasium“ zu nennen. Es bleibt beim Namen „Gymnasium Melsungen“.

1957 Der Schulleiter bittet den Kreisausschuss im Auftrag der Eltern erneut, die Namensgebung der Schule voranzutreiben und erinnert an die bisherigen Vorschläge.

1958 Der Schriftleiter der „Hessischen Nachrichten“ schlägt dem Schulleiter in einem Brief vor, die Schule „Geschwister-Scholl-Schule“ zu nennen.

1959 In der Schule wird ein Schulnamenwettbewerb durchgeführt, der 78 Vorschläge mit 24 verschiedenen Namen bringt, darunter „Eichendorff-Schule“ (40x), „Freiherr-vom-Stein-Schule“ (7x), „Albert-Schweitzer-Schule“ (4x). Den früheren Vorschlag „Ludwig-Spohr-Schule“ findet man noch einmal, der frühere Kreistagsbeschluss „Heiligenbergschule“ wird nicht aufgegriffen. Der Name „Geschwister-Scholl-Schule“ wird genau einmal vorgeschlagen. Am 20.6.1959 teilt die Schule dem Schulträger die einstimmige Entschließung aller Gremien mit, die Schule künftig „Eichendorff-Schule“ zu nennen.

1959 Am 27.10.1959 beschließt der Kreistag des Landkreises Melsungen nach Anhörung des Kreisschulvorstandes, dem Melsunger Gymnasium den Namen „Geschwister-Scholl-Schule“ zu geben. Die Namensverleihung wird durch Erlass des Hessischen Ministers für Erziehung und Volksbildung vom 23.11.1959 endgültig festgesetzt.

1960 Anlässlich des Todestages von Hans und Sophie wird der Schule am 22.2.1960 vom Landrat des Landkreises Melsungen der Schulname offiziell übergegeben.

1974 Im Rahmen der hessischen Kreisreform werden die bisherigen Landkreise Ziegenhain, Fritzlar und Melsungen als Schwalm-Eder-Kreis zusammengelegt. Die Schulträgerschaften der Einzelkreise gehen auf den neuen Landkreis über. Die Geschwister-Scholl-Schule ist nun Gymnasium des Schwalm-Eder-Kreises.

1980 Der ,,Schrumpfungsprozess" zum Oberstufengymnasium ist abgeschlossen. Mit Beginn des Schuljahres 1980/81 umfasst die Schule nur noch die drei Oberstufenjahrgänge. Der Schulverbund Melsungen wird offiziell gegründet und die Schule heißt seitdem „Geschwister-Scholl-Schule – Oberstufengymnasium des Schwalm-Eder-Kreises“

Dr. R. Köhler